Der Bootsbau

Was braucht man für einen richtigen Boot-Trip? Ein Boot!

Aber was ist das eigentlich genau? Der wesentliche Unterschied zu dem in der Schifffahrt weniger privilegierten Schwimmkörper bzw. Floß ist der durchgehende Rumpf; ein Motor kann auch nicht schaden. Für ein Boot kann man in einem beliebigen deutschen Schifffahrtsamt eine Zulassung beantragen und, sobald eines davon selbige erteilt, im Prinzip überall damit rumschippern.

Die erste Konstruktionsskizze ist schnell gekritzelt: zwei parallele, jeweils durchgängig verbundene Schwimmkörperverbünde, die einen Lattenrost stützen und längsseits einrahmen. Lässig-sportiv und dynamisch-elegant. Ein schneidiger Katamaran mit so einer Art Carport drauf. Ein sympathischer Spaßquader.

Bevor wir mit dem Bau beginnen, müssen wir allerhand Gedöns mit hoher Dichte und/oder großem Volumen ordern. Wie reizend, dass Christinas Eltern ihre Anschrift als Lieferadresse und ihr Pfarrhaus als Lagerhalle zur Verfügung stellen. Die Gesamtsituation wird eine langwierige Prüfung ihrer Nächstenliebe.image

Über das Pfingstwochenende treffen wir uns zum „Zusammenbauen“, wobei Kleinigkeiten wie die Dimensionierung noch zu klären sind. Am Donnerstag werden also alle Pakete entpackt und ihr Inhalt sortiert, bevor Christinas Eltern uns begrillen. Das gemütliche Beisammensitzen gibt Gelegenheit, unsere Mückenbekämpfungsstrategie in der Praxis zu testen: das seemännische Pfeiferauchen. Ganz harter Tobak.IMG_20160505_175018.jpg

Nachdem die Holzkonstruktion am Vorabend bereits auf einem Zettel festgebrainstormed worden ist, geht es am Freitag mit einem Sprinter auf eine trockene Odyssee durch die Kasseler Baumärkte. Am Vorabend konnten wir uns bzgl. der Holzdicken nicht einigen, weshalb nun auf den Gängen von Bauhaus, OBI und Co. fleißig verschiedene Balken-Brett-Kombinationen nach dem akustisch-visuellen Bieg-Knack-Knick-Verfahren auf ihre Belastungsfähigkeit getestet werden. Schließlich haben wir alle Hölzer beisammen, bis uns ein Mitarbeiter auf die defekte Säge aufmerksam macht… Im nächsten Baumarkt finden wir Gott sei Dank ebenfalls halbwegs passendes Holz und lassen es zwei Stunden lang zusägen. Natürlich dürfen sich andere Kunden zwischendurch immer mal wieder auch etwas zuschneiden lassen. Gutes Karma werden wir gut gebrauchen können; sonderlich nach Feng-Shui sieht unsere Konstruktion schließlich nicht aus, auch wenn unsere Feuerschale mit 80 cm Durchmesser und unsere Pfeifen effektive Werkzeuge zum Ausräuchern sein sollten.IMG_20160507_152211.jpg

Bis lange nach Sonnenuntergang und Nachtruhe bauen wir noch am Freitag nach unserem 10-stündigen Einkauf. Die Toleranz der Nachbarn ist wahrscheinlich auch der Tatsache geschuldet, dass alle ganz neugierig sind, was wir da bauen. Am Samstag geht es mit dem Sonnenaufgang weiter; wieder bis lange nach Sonnenuntergang. Erst am Sonntagmittag ist die Grundkonstruktion 1 Festmeter Holz, 15 m Gewindestange, 100 Winkel und 2000 Schrauben später fertig.image

Am Sonntag hatten wir eigentlich vor, das Boot zu Wasser zu lassen und ein paar Teichenten aufzuscheuchen. Allerdings hat das wiederholte Zusammen- und Auseinanderbauen zwecks Analyse und Optimierung problematischer Schritte so viel Zeit in Anspruch genommen, dass die Probefahrt entfallen muss. Im Nachhinein war das wohl das Beste. Einen Plan, wie wir die 1,x t Schiffsmasse wieder aus dem Tümpel kriegen würden, hatten wir, rückblickend betrachtet, nämlich nicht.

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