Tag 23 & 24 – Goodbye, Maria Ignatia

Der Morgen zeigt, dass diesmal nur das frühe Aufstehen eine richtige Entscheidung war. Anders als der am Vorabend ausgewählte Liegeplatz. Über Nacht ist trotz Regen der Wasserspiegel um einen halben Meter gefallen. Und die gute Tiefe von ehemals 0,7 m ist unser Verhängnis. Der Überhang unseres Decks über den schwimmenden Plastikrumpf am Bug des Schiffs liegt auf dem kleinen Mäuerchen auf, an dem wir festgemacht haben. Zunächst laden wir alles ab, was nicht niet- und nagelfest ist. Mit vereinten Kräften und geschickter Gewichtsverlagerung schieben wir den Überhang von der Mauer und auch noch weiter ins gerade ausreichend tiefe Wasser.

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Wir kommen 5 m weit. Dort stellen wir fest, dass unser Problem etwas größer ist: Wir liegen in einem kleinen See, der sich von der Donau durch eine Untiefe abgrenzt, die kaum noch von Wasser überdeckt ist. Unser Tiefgang etwa 40 cm. Soll so unsere Reise enden?

Nein! Nur unser Aufgeben könnte unser Scheitern verursachen! Wir krempeln im übertragenen Sinne die Ärmel noch (hier: Hosenbeine) und laden das Boot erneut leer. Und starten eine Grabungsaktion mit Händen und Paddeln. Dabei können wir buchstäblich beobachten, wie der Wasserstand immer weiter sinkt. Weil Zeit und nicht Kraft unsere knappste Ressource ist, geben wir alles. Eine kurze Überschlagsrechnung ergibt, dass wir für jedes Kilogramm, um das wir das Boot erleichtern, etwa 0,3 mm weniger tief graben müssen. Also schrauben wir auch den Außenborder ab und transportieren ihn mit der Sackkarre durch das „glücklicherweise“ wenig tiefe Wasser an Land.

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Drei Stunden später haben wir zwei 10 m lange, 0,5 m breite und 0,4 m tiefe Kanäle ausgehoben. Mit rhythmischem, gemeinsamen Anschieben überwinden wir den Rand des kleinen Sees, indem wir gefangen gehalten wurden. Unser Jubel ist riesig und das Glück mit den Gerechten!

Und sogar ein weiteres Mal wird unsere Gerechtigkeit ausgezeichnet: Mit der Vorabend ausgelegten Reuse haben wir einen Fisch gefangen. In seiner Gier auf den in der Reuse angebrachten Köder ist er in den Maschen des Netzes stecken geblieben. Obwohl wir alle sehr hungrig sind und kaum noch Müsli über haben, verzichten wir auf dieses kostbare Geschenk der Donau und geben dem Fluss zurück, was wir ihm genommen haben.

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Am Nachmittag kommen wir an der letzten Schleuse der Donau überhaupt an. Und wieder haben wir Glück und werden ganz alleine unmittelbar ins Unterwasser geschleust.

Als Schlusspunkt unserer Reise insgesamt haben wir mittlerweile Calafat ausgemacht. Calafat ist sowohl stromaufwärts wie stromabwärts die einzige etwas größere Stadt, wo wir glauben unser Boot loszuwerden und in annehmbarer Zeit nach Bukarest zu kommen, von wo wir wieder nach Deutschland fliegen wollen. Der Ehrgeiz hat uns gepackt und wir wollen noch heute dort ankommen, trotz morgendlicher Verzögerung und der Schleusung. Mit dem letzten Licht des Tages schaffen wir das auch. Wir machen an der Capitania der Stadt fest. Die Übernachtung ist kostenlos,  aber wir missverstehen die Einladung des Hafenkapitäns zum gemeinsamen Bierchen. Er bedankt sich für das mitgebrachte Bier und steckt es ein.

Etwas Kopfzerbrechen bereitet uns das Loswerden unseres Bootes. Calafat ist zwar kein Dorf, aber einen Sportboothafen oder ähnliches hat es auch nicht, hier legen nur Industrieboote an. Am nächsten Tag tauschen wir mit einem der Hafenarbeiter noch Geschenke aus, Reuse gegen Wassermelone und Tomaten, und fahren dann ziellos noch ein wenig weiter. Wir müssen feststellen, dass außerhalb der Stadt einfach nichts und niemand ist, weder auf rumänischer noch auf bulgarischer Uferseite. Da kommt die rettende Idee: Georg kennt jemanden in Bukarest. Und der postet auf Facebook, dass wir ein Boot zu verschenken haben. Spontan meldet sich ein Freund einer Freundin von Georgs Freund, der in der Nähe von Calafat lebt. Keine Stunde später schlägt er zu und unser Boot hat einen neuen Besitzer!

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Tag 21 & 22 – mal wieder alles richtig gemacht?

Das Eiserne Tor liegt heute vor uns. Wir sind uns lange nicht sicher, ob damit die zerklüftete Schlucht gemeint ist oder die Tore der riesigen Schleuse mit Abmessungen von 310 m x 34 m und insgesamt 32 m Hub in zwei Stufen. Es ist wohl tatsächlich die eindrucksvolle felsige Landschaft gemeint, die lange eine gefährliche Engstelle der Donau war, bis sie dort aufgestaut wurde. Leider ist die Fahrt diesbezüglich unspektakulär und unsere Unsterblichkeit muss hier nicht auf die Probe gestellt werden.

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Wir kommen schließlich bis kurz vor die Eisernen Tore der Schleuse. In der Stadt mit dem bezeichnenden Namen Tekija kühlen wir uns am Abend an der Strandbar noch ab. Chrissi kühlt hauptsächlich ihre knallroten Schienbeine, denen die pralle Sonne wenig gut getan hat.

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Am nächsten Tag kommen wir früh zur Schleuse. Wir haben Bedenken, lange auf ein großes Schiff für die Schleusung warten zu müssen – seit Tagen bereits gibt es kaum Verkehr. Die Zweifler mögen es großes Glück nennen, das genau in dem Moment sogar gleich zwei Donau-Kreuzfahrtschiffe geschleust werden wollen. Wir müssen uns allerdings beeilen:  Ohne über Funk Informationen einholen zu können, sind wir auf die serbische Seite der Schleuse gefahren, die diese Woche geschlossen ist. Just in time erreichen wir die rumänische Schleusenkammern – mal wieder alles richtig gemacht! Obwohl die Kapitäne der Schiffe alles geben und einen Weißwurst-Zutzel-Wettbewerb ausrufen, sind wir die Attraktion und werden von allen Seiten beäugt.

Die Auswahl an Liegeplätzen ist an diesem Abend sehr endlich. Nachdem wir ja bereits in Serbien ausklariert sind, müssen wir uns mit dem rumänischen Ufer begnügen. Uns wird sehr deutlich wie nah wir der menschenleeren Walachei sind. Wir legen also einfach irgendwo an. Der Wasserstand am Ufer scheint gut genug … mal wieder alles richtig gemacht?

[to be continued]

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Tag 19 & 20 – Und dann waren’s nur noch drei

Wie hervorragend die Wahl der Wasserdisco als Liegeplatz war, zeigt sich erst in den Morgenstunden: Um 8 Uhr früh wummert die Partymusik fröhlich weiter. Oder hat sie nie aufgehört? Die einzige, die das genau weiß, ist Chrissi, denn sie hat praktisch die ganze Nacht den eingängigen Beats aus dem Schlafsack gelauscht. Sie entscheidet sich für eine frühe Stadttour und lässt die Jungs mit ihrer Katerstimmung allein. Als diese endlich eingesehen haben, dass der Lärm kein Ende finden wird und aus dem Boot steigen, zeigt sich, dass die Tanzfläche praktisch unverändert ist: Exakt die selben Gestalten wie vorherige Nacht sind noch immer ausgelassen am Feiern. Auf Nachfrage, wie das denn sein kann, wird stolz verkündet, dass Ecstasy im Spiel war. Das nimmt die letzte Hoffnung, die Party könne bald enden; wir fliehen in das Freibad um die Ecke.

Nachdem wir also beim Wasseraerobic ein paar mitleidvolle Blicke bekommen haben, wird noch eine kurze Stadttour angeschlossen und dann heißt es leider bereits, Thilo zu verabschieden. Denn dessen Anwesenheit ist nicht nur bei uns, sondern auch auf einer Hochzeit in Deutschland dringend erwünscht. So heißt es leider farewell und während die verbliebene Crew den Motor anlässt, um noch ein paar Kilometer weiterzukommen, legt Thilo die Füße im Hotel hoch und schläft den Rest des Tages.

Abends kommt die Maria Ignatia in Smederevo an. Der angepeilte Wassersportverein liegt direkt neben der schwimmenden Dorfdisco. Christina verleiht ihrer Begeisterung Ausdruck. Wir finden ein Restaurant ein bisschen weiter stromaufwärts, das einen Anleger hat und gerade renoviert wird. Der stolze Besitzer ist weiterhin im Besitz von etwa drei Zähnen und obwohl wir es schaffen, uns auf Französisch als Kommunikationsart zu einigen und er anscheinend einiges zu erzählen hat, bleibt der Informationsfluss sehr gering. Um die Stimmung aufzulockern, entscheiden wir uns für ein kooperatives Kartenspiel und gehen früh zu Bett.

Den Morgen laufen wir durch Smederevo zu einer Ruine. Auf dem Weg erweitern wir unser beliebtes Ratespiel „Wrack oder serbischer Tanker?“ auf Eisenbahnen und liegen prompt alle falsch, als tatsächlich Passagiere einsteigen. Die Idee für eine Fortsetzung dieser Reise, mit einer ausrangierten Lock durch Osteuropa, wird geboren.

Zurück auf dem Boot erleben wir einen Ausfall unserer Klimaanlage: Wir haben Rückenwind und die leichte Brise, die uns normalerweise 32 Grad im Schatten ertragen lässt, ist nicht vorhanden, wir schmoren an Deck vor uns hin. In Veliko Gradište wollen wir aus Serbien ausklarieren, am Anleger eines Duty Free Shops will uns ein älterer Herr für das Anlegen 20€ für eine Stunde abnehmen. Also fahren wir ein paar Meter weiter und legen vor einem öffentlichen Park an. Sogleich eilt uns besagter Senior nach und gestikuliert wild, auch dies sei privat und koste 20€. Wir weigern uns zu bezahlen, da normalerweise eine ganze Übernachtung in einem gut ausgestatteten Hafen 10€ bis 20€ in Lokalwährung kostet. Er zetert, droht die Polizei zu rufen und für einen Moment sieht es aus, als wolle er sich mit dem nicht nur 10cm größeren, sondern auch 40 Jahre jüngeren Christian prügeln. Passanten bieten uns Hilfe an, aber keiner ist sich wirklich sicher, ob der Anleger öffentlich ist, da sich unser Methusalix weiterhin mit viel Geschrei aufregt. Schließlich geben wir auf und beschließen an einem anderen Tag auszuklarieren.

In Golubac legen wir an und bereiten gerade das legendäre Carne con Chili, als wir Jasper kennenlernen. Der hat heute schon 78 km auf seinem Kanu hinter sich und will in den nächsten Monaten noch bis nach Istanbul; Hut ab! Es wird zunächst Pfeife geraucht und dann hat Jasper noch kubanische Zigarren dabei, sodass uns der Tabakgeschmack wohl noch den morgigen Tag begleiten wird.

Tag 19 – Belgrad

Da wir am gestrigen Abend die sagenhaft günstigen Taxis Novi Sads kennengelernt haben, geht es am Morgen mit dem Taxi zur Tankstelle und zum Supermarkt. Schnell ist entschieden, dass man bei diesen Temperaturen unbedingt Sangria braucht. Wir kaufen das komplette Sangria-Angebot eines Supermarktes, das sich beim Ausladen aus dem Taxi direkt zerlegt, also geht es mit dem Taxi gleich los zum nächsten Supermarkt und das dortige Sortiment wird geplündert.

Die Hitze ist drückend und so führen wir die Tradition des U-Boot-Schnapses fort: Am nächsten hübschen Strand wird angelegt und unter den äußerst misstrauischen Augen der Einheimischen die Sangria professionell im Eimer bereitet. Auch Christina findet unser Verhalten suspekt und bleibt lieber an Bord, als wir unter das Boot steigen, um im Schatten des selbigen die halbwegs kalte Sangria zu genießen.IMG_20160721_165904

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Bald darauf sind wir auch schon in Belgrad. Unser Donauführer empfiehlt ein spezielles Bootsrestaurant als Anleger, aber an diesem hat niemand davon gehört, dass Boote festmachen dürfen. Dafür freut man sich bei einer neuen schwimmenden Bar sehr über unsere Ankunft, ganz im Gegensatz zu Christina. Da wir keine einfache, zentrale Alternative sehen, bleiben wir dennoch und trinken direkt ein paar Bierchen mit den Angestellten. Pfeifen und Gitarre werden ausgepackt und in gemütlicher Runde lernen wir einige Serben kennen. Dann wollen wir noch in die Stadt weiterziehen, während Christina sich lieber mit einem Buch auf dem Boot einrichtet.IMG_20160721_211316-PANO

In Belgrad ist in dieser Nacht allerhand los, zwei Serbinnen führen uns von einer Bar zur nächsten, während Thilo sich trotz des deutlichen Alkoholeinflusses abmüht, unsere Begleitung zu überzeugen, dass der Holocaust nicht nur Erfindung und Vorwand der Amerikaner ist. Geschichtlich scheint hier einiges nachzuholen sein.IMG-20160724-WA0002

Nachts wandern wir über die Burgruinen Belgrads mit fantastischem Blick zurück zur schwimmenden Bar. Hier ist die Party noch lautstark im Gange, aber nach kurzer Zeit übermannt uns die Müdigkeit und wir fallen trotz der Lautstärke in die Kojen.

Tage 15 & 16 – Klumpi und Klumpinchen

Thilo nutzt den für’s Joggen auf 6:30 Uhr gestellten Wecker in Kombination mit seinem Ruhetag, um den friedlich schlummernden Nichtsnutzen das warme Wasser wegzuduschen und im Anschluss zu bloggen, während die anderen sanitär nachziehen. Christian als unser offizieller Kapitän steigt direkt aus der Dusche in den Hafenlada und klärt die letzten Formalitäten. Uns begeistert, dass die Liegegebühr inklusive des Einklarierservices nur 6 Euro kosten. Zur Kompensation will heute unser Motor partout nicht anspringen, weshalb wir ihn zerlegen. Im Rahmen dieses technischen Anatomiepraktikums finden wir heraus, dass uns der Mechaniker im ersten Hafen über den Einsatz unseres Startergases Seemannsgarrn vermittelt hat. Wir haben das Gas immer am Verbrennungsprozess vorbeigepustet. Das korrekte Loch ist schnell gefunden und tatsächlich springt unser 2-Takter nun sofort an. Schnell wird im Kopf überschlagen, wie viele Stunden des Zerrens und Rüttelns uns wohl hätten erspart bleiben können… zu viele.

Abends machen wir auf einem idyllischen Ankersee fest und futtern Nudeln mit Thunfisch. Ein noch saftigeres Festmahl bereiten wir allerdings der lokalen Mücken- und Moskitopopulation; noch Stunden nach unserer Abreise werden sie rückblickend von der “guten alten Zeit“ sprechen. Wir versuchen, sie durch intensives Pfeiferauchen und hysterischen Gesang fernzuhalten, doch im Schlaf fehlen uns effektive Abwehrmechanismen und selbst unsere Moskitonetze sind gegen diese Mutantenmücken so nützlich wie die chinesische Mauer als Firewall.

Christinas Unterarm beherbergt am nächsten Morgen eine pralle, lilafarbene Beule. Wir taufen die Beule Klumpi und Christina darf mit Klumpinchen oder auch Olivia (Popeyes Herzdame) vorlieb nehmen. Am schmackhaftesten scheint allerdings Thilo gewesen zu sein, der heroisch ohne Autaneinsatz als Opferanode zur Verfügung stand. Alleine an Beinen und Füßen hat er über 50 Stiche mit den Schwerpunkten Kniekehle und Fußrücken gefangen und erinnert an das Sams.

Am frühen Nachmittag kommen wir nach einer entspannten Fahrt – die Donau ist hier breit und ruhig und man ist darauf so einsam wie ein Teenager mit Akne – in Novi Sad an. Die mit 200.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Serbiens pulsiert vor jungen Leuten und bietet neben coolen Bars auch einige Wohnblocks in der Stilrichtung Neobrutalismus, die teratomartig den blauen Himmel zerkratzen und dennoch irgendwie hier hingehören. Die Hafencrew ist sehr herzlich und tauscht uns sogar etwas Knoblauchöl gegen einen Wein ab. Nachdem Christian und Thilo ihr selbstmörderisches Intervalltraining abgeschlossen haben, lassen wir gemeinsam die restlichen Stunden des Nachmittages im Donaustrandbad bei Würstchen und Eis an uns vorbeiplätschern, während die Temperaturen langsam wieder unter die 30 Grad sinken. Abends begleiten wir noch Christina, die mit Klumpi in der Stadt Gassi geht. Hach, ist der Kleine groß geworden!

Tage 13 & 14 – Schengenraumrandnotiz

Am 13. Tag fahren wir circa 80 km weit bis nach Baja. Eigentlich wollten wir uns bei der Beschreibung dieses Tages an der BBC orientieren, die einmal kurz und knapp in den täglichen Nachrichten verlauten ließ: “Today, there is no news.“ Dann haben wir am Ende der erholsamen Fahrt, die außer vom jeweils aktiven Fahrer allseits schlafend verbracht wird, jedoch Probleme, einen Liegeplatz für die Nacht zu finden, da beide Häfen Bajas voll belegt sind. Wir haben uns schon damit abgefunden, 20 km weiter fahren zu müssen, als wir einen kleinen Anleger vor einem Wirtshaus entdecken. In selbigem verdrücken wir deftige Kost und spielen Doppelkopf, bis wir die letzten Gäste sind und das Punktekonto im Gleichschritt mit der Rechnung dreistellig wird. Man gönnt sich ja sonst nichts.IMG_20160717_185740

Am nächsten Tag verlassen wir mit unserem Übertritt auf serbisches Gebiet den Schengenraum. Damit dies legal vonstatten geht, müssen wir in Ungarn Aus- und in Serbien Einklarieren. In Ungarn gehen wir dafür in einen großen Bürokratiebunker, in dem wir mehrere Büros aufsuchen müssen. Letztendlich geben wir jedem der zuständigen Beamten die gleiche, in Deutschland ausgedruckte Crewliste und erfüllen damit die Anforderungen der Polizei, des Arztes und des Katastrophenschutzes… wo wir in Serbien einklarieren sollen, weiß allerdings niemand so genau. Knapp hinter der Grenze liegen am linken, serbischen Ufer ein paar alte, rostige Wracks. Es heißt, dort könne man einklarieren. An Bord teilt man uns jedoch mit, dass dies heute nur in Apatin, der nächsten größeren Stadt, möglich sei, in der wir sowieso die Nacht verbringen wollen.IMG-20160718-WA0001

Abends kommen wir in Apatin an und werden direkt von einem Mitarbeiter der Marina in Empfang genommen. Wir steigen in seinen Lada und er brettert die schmale Fußgängerzone entlang Richtung Polizeistation, während Fahrradfahrer und Fußgänger hastig zur Seite springen. Hier kommt unsere Crewliste erneut gut an. Unsere Pässe werden gestempelt und morgen sollen wir beim Hafenmeister die Steuer für die Nutzung der serbischen Gewässer entrichten. Das war einfach. Wir werden wieder zurückgefahren und der Polizeihund läuft uns noch eine Weile hinterher und versucht, das Auto zu beißen. Ein Spiel, das wir in den kommenden Tagen noch mehrfach beobachten werden.

Apatin wurde im 18. Jahrhundert von deutschen Siedlern, den Batanschwaben, als Abthausen gegründet und beherbergt nach wie vor eine Brauerei und den zweitgrößten Fischsuppentopf der Welt. Abends essen wir noch einen Fischeintopf, bevor wir satt und zufrieden und mit WLAN ausgestattet in unsere Hängematten plumpsen. Hier entstanden auch die Blogeinträge der vergangenen Tage 🙂IMG_20160718_205116.jpg

The State of the Bart: Eine haarige Angelegenheit

Dem geneigten Leser unserer Einträge wird beim Betrachten der Fotos ein gewisser personenbezogener Attraktivitätsverlust ins Auge gestochen sein. Einen hinreichenden Beitrag dazu leistet das Abkommen der männlichen Crewmitglieder, die freie Entfaltung ihres Bartwuchses während der kompletten Fahrt in keinster Weise zu gefährden. Thilo hat sich im Vorfeld bereits Gedanken zu möglichen Barttrachten gemacht, die ihr nun hier exklusiv nachlesen könnt:

3. Platz: der Ziegenbart. Zugegebenermaßen nicht sonderlich kreativ, sieht er doch an jedem seiner Träger gleichermaßen peinlich aus und sorgt bei empathischen Mitmenschen für Betroffenheitsschübe, bei rustikaleren Gesellen für meckerndes Gelächter.

2. Platz: der kaukasische Halsbart.

Diese figaroesque Eigenkreation kommt all jenen zu Gute, die schon immer eine Halskrause mit aufdringlich-östlichem Touch tragen wollten. Dazu lässt man sämtliche Haare von der Kinnlinie abwärts stehen und nimmt bei Bedarf auch noch die obere Brustbehaarung in die Komposition mit auf. Dann versucht man, die Haare auf Höhe des Adamsapfels durch geschickten Bürsteneinsatz zu konzentrieren. Voluminös getragen lockert dieser Bart jedes Outfit auf. Und sieht auch noch besser aus als dieser dämliche Ziegenbart.

1. Platz: der Zahnfleischbart.

Die gute Nachricht: viele Haare braucht man hierfür nicht. Genau genommen nur eine dichtwurzelnde Barthaarreihe direkt oberhalb der Oberlippe. Der Rest des Gesichts wird komplett rasiert, um nicht von der wohltuenden Eleganz des Zahnfleischbarts abzulenken. Die Haare sollten im Idealfall die Oberlippe orthogonal passieren. Statt der Oberlippe des modebewussten Trägers sieht man dann nur einen irritierenden Welsbart. Und wenn der Gute mal lachen sollte, dann sieht man, wie die Haarspitzen ihn neckisch am Zahnfleisch kitzeln. Schlicht, schön und anders. Und immer noch besser als dieser fürchterliche Ziegenbart.

Ach so, bei Christian und Georg reicht es wohl im Endeffekt nur für einen Ziegenbart. Thilo denkt über einen Schnauzbart nach. Was denkt Ihr? 🙂